Roma Traditional Dance & Gipsy Show Dance from East

 
 
         
     Bilder: N. Bessonow
 
     
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Russischer Zigeunertanz


Tänze der russischen und polnischen Roma – Von Indien nach Russland ... Vom Volkstanz zur Bühnenshow

Der Osteuropäische RomaBühnentanz verbindet viele TanzElemente aus dem Ursprungsland Indien – wie Schultershimmy, weiche, erzählende Armbewegungen und rhythmische Beinarbeit des Kathak – mit russischem Stepp und russischer Dramatik, der Eleganz des Flamenco sowie dem farbenprächtigen Spiel Volant besetzter Röcke und Tücher.

Aus dem einst nur familiär gepflegten Tanz (taborny taniec) ist der Gipsy Show Dance (bekannt als „Russischer Zigeunertanz”) entstanden – ein gefeiertes Bühnenspektakel, das den Spirit seines Ursprungs zelebriert: leidenschaftlich, expressiv und getrieben von der Kraft des eigenen Gefühls ist er für RomaTänzerInnen Ausdruck von Freiheit, Stolz und Gemeinschaft mit den Ihrigen.

Der männliche Part in diesem Tanz blieb weitgehend unberührt von künstlerischen Adaptionen. Wir treffen ihn bis heute in dieser Form überall auf der Welt auch auf Familienfesten der Roma an. Einzig der russische Stepp gab ihm einen besonderen Schliff. Der Part der Tänzerinnen allerdings wurde im Rahmen des Einzuges der Roma in die Theatersäle Russlands und später Polens um das atemberaubende Spektakel wirbelnder Röcke und Tücher erweitert und dort von ihnen speziell für die Bühne entwickelt. Dieser Stil ist unter den Roma einzigartig.

Heute tanzen, singen und musizieren professionelle Zigeunerensembles auf der ganzen Welt. Sie reißen nicht nur ihr Publikum mit, sondern auch nicht-zigeunerische KünstlerInnen, die sich ihnen anschließen oder inspiriert ihre eigene Art von Gipsy Show Dance kreieren ...

Katjusha Kozubek


Zigeunermusiker sind Vorgänger der heutigen „Weltmusik”.

Ein Beitrag von Anna Lapina, www.gypsy-oriental.ch


       

Seit ihren ersten Wanderungen in Richtung Westen haben die Zigeuner, die wahrscheinlich lange vor dem Jahr 1000 aus Indien kamen, permanent ihren unverkennbaren Beitrag zum musikalischen Leben aller Länder wo sie einwanderten, geleistet. Sie sind gleichzeitig Opfer einer primitiven sozialen Ausgrenzung und einer übertriebenen romantischen Darstellung in Literatur und Film.

Die Roma setzen aber ihren musikalischen Weg fort. Ihre Anziehungskraft ist von den östlichen Mysterien geprägt, besonders von dem des Kâlbelya-Tanzes und des Gesangs der Yogi aus dem Rajastan. Die Yogi, Zauberer und Schlangenbeschwörer – auf Eseln reitende, zeltlose Nomaden, könnten der Ursprung des Roma-Volkes sein.

Zigeunermusiker haben stets auf ihrer Wanderschaft durch viele Länder und Kulturräume die Eindrücke der typischen Musik aufgenommen und in ihren eigenen Stil auf virtuose Art und Weise eingebracht. So verhalfen sie auch dazu, dass viele ursprüngliche Musikstile nicht vergessen wurden, sondern ihr neues Leben fanden. Diese Musiker wurden so oft zu Vorgängern der heutigen „Weltmusik”. Ihre Tänze und Lieder vermitteln Temperament und Feurigkeit, Leidenschaft und tiefe Emotionen, sowie die lebensbejahende Urkraft.
(Text nach Alain Weber, CD Road of the Gypsies – L'Épopée Tzigane)


Zigeuner in Russland

In Russland manifestierte sich das Interesse für die Zigeuner-Musik zur Zeit von Katharina der Grossen. Die Geschichte erzählt, dass der Favorit der Zarin, Graf Orlov, in Moldawien Zigeuner-Musikern zugehört hatte. Dabei war er so hingerissen von ihren Gesängen und Tänzen, dass er ein Ensemble von singenden und tanzenden Musikern unter der Führung von Ivan Trofimov mit nach Hause brachte.
Dieser Entwicklung folgend, mussten auch die Fürsten der damaligen Zeit wie Potemkin, Zubov und andere über ihr eigenes Ensemble verfügen. Und so vermehrten sich von nun an solche Ensembles aus Moldawien und Ukraine zunächst in Moskau und St. Petersburg, und später auch in Kiew, Odessa und Tiflis. Eine regelrechte „Tsiganomanie” erfasste Russland und das goldene Zeitalter für die musizierenden Zigeuner brach ein.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts konnte man sich keines der Feste und prunkvollen Bälle der Aristokraten, des Bürgertums, der Kaufleute und des Militärs mit ihren Trinkgelagen und Ausschweifungen ohne Zigeuner-Musik vorstellen. Die bedingungslosen Anhänger nannte man „guliaka” und man trank, tanzte, weinte und schrie – oft nächtelang in einer Atmosphäre des Vollrausches, die seitdem von der russischen Zigeuner-Musik verkörpert wird. Auch heute noch werden die Zigeuner-Musiker zu jeder größeren Feier eingeladen und russische „wilde” Feste mit Zigeunern assoziiert.

Nach der Oktoberrevolution von 1917 wurde das Nomadensein verboten und die Zigeuner zwangsweise sesshaft gemacht. Viele Zigeuner-Musiker verließen Russland. Auch die Anhänglichkeit gegenüber ihren aristokratischen Auftraggebern wurde ihnen zur Last gelegt. Allerdings hat die neue Macht in der Sowjetunion auch versucht, die Zigeuner-Kunst zu institutionalisieren. Das Theater „Romen” wurde gegründet – ein erstes von einem Staat finanzierte Theater für Zigeuner-Künstler – das viele berühmte Namen wie Nikolay Slichenko, Lyalya Chernaja, Familien Zhemtschuzhniy, Yanyschev, Lekarev und viele andere hervorbrachte. Sämtliche Theaterstücke sowie Filme wurden mit Zigeunerkünstlern besetzt. Das Repertoire umfasste Stücke zu Themen aus ihrem Leben ebenso wie klassische Werke.


Russischer Zigeunertanz

Der russische Zigeunertanz war bis zum 18. Jahrhundert mehrheitlich nur unter Zigeunern selber bekannt. Als die russische Aristokratie diese Kunst für sich entdeckte, stieg die Nachfrage nach Zigeuner-Künstlern sehr stark. Das ging mit wachsender Konkurrenz einher und führte dazu, dass die Zigeuner-Artisten ihre Kunst entwickelten und zunehmend professionalisierten. Außer traditioneller Folklore wurden die städtischen Romanzen ins Repertoire aufgenommen.

Auch der Tanz hatte sich gewandelt. Anfang des 20. Jahrhunderts veränderte sich sowohl der weibliche als auch der männliche Part im Zigeunertanz. Im vorrevolutionären Russland war der Stepptanz sehr beliebt. Der erste Tänzer, der den traditionellen Zigeunerstepp mit der modernen Technik verband, war Nikolay Chubarov. Sein Stil wurde sehr populär und sollte künftig stark den männlichen Part im russischen Zigeunertanz beeinflussten.

Maria Artamonova, die berühmte Sängerin und Tänzerin, lies neue Elemente in den weiblichen Zigeunertanz einbauen. Sie nahm Stunden bei einer professionellen Balletttänzerin. Die klassische Tanztechnik, die raumgreifenden Bewegungen, die Körper- und die Armhaltung flossen in ihre Tanzkunst ein und führten dazu, dass der russische Zigeunertanz definitiv aus dem traditionellen Folklorekleid herauswuchs und zur bühnenfähigen Kunstform wurde.


Typische Merkmale des Russischen Zigeunertanzes

Typische Merkmale des russischen Zigeunertanzes sind:

  • Betonung der Tanzschritte im Off-Beat
  • anmutige, filigrane Arm- und Handbewegungen
  • schneller Stepp und leichtfüßige Sprünge
  • Arbeit mit Röcken und Tüchern

Die Armbewegungen haben ein sehr reiches Repertoire: mal sind sie sanft und zärtlich, mal akzentuiert und stark. Die Tänzerin kann jede Emotion, jede Regung mit den Armbewegungen ausdrücken.

Der Stepp und die Sprünge sind ein weiteres charakteristisches Element. Der Stepp kommt sowohl im weiblichen wie auch männlichem Tanz vor. Im männlichen Tanz wird er immer mit Body Percussion – den rhythmischen Schlägen auf Körper und Stiefel – verbunden.

Der weibliche Tanz hat weitere besondere Körperbewegungen, eine davon ist der schnelle feine Schultershimmy, bei welchem der Schmuck der Tänzerin leichtes Rasseln erzeugt.

Die Arbeit mit den typischen, sehr breiten, Volant besetzten Röcken ist ein weiteres notwendiges Element. Eine oder beide Hände halten den Rocksaum, spielen mit ihm und erzeugen Wirbel, Wellen, Kaskaden.

Die großen Dreiecktücher, ein Element des traditionellen Folklorekostüms bzw. der Alltagskleidung der Zigeunerinnen, werden oft auch im Tanz eingesetzt. Ein weiteres (später dazugekommenes) Accessoire ist das Tamburin, das allerdings mehr als Rhythmusinstrument verwendet wird.

Effektvolle Drehungen, Körperbeugungen, Bodenräder, Bodenbrücken und Akzente wie z.B. das Werfen der Haare runden den Tanz ab.

Der russische Zigeunertanz stellt technisch und konditionell gewisse Anforderungen an die Tänzerin. Hauptsache ist aber, sich auf die Musik einzulassen und die eigenen Gefühle im Tanz auszudrücken. Die Improvisation ist in diesem Tanz sehr wichtig, was ihn sehr vielfältig macht. Dieser Tanz hat keine Altersgrenzen, kann also von Jung und Alt gelernt und mit grossem Spaß getanzt werden!

(Ouellen:
www.svenko.net
Alain Weber, CD Road of the Gypsies – L'Épopée Tzigane)

 
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